Essen statt Eskalieren

Die Henkersmahlzeit
Die Henkersmahlzeit

Kennt ihr diese unfassbare Unlogik, wenn es darum geht sich Essen zu erlauben? Mir fällt es leichter mich massiven Essanfällen hinzugeben und mir einzureden, dass es das ALLERLETZTE mal ist, als mir einfach mal an einem „normalen Tag“ abends ein paar Kohlenhydrate zu gönnen. Die Schuldgefühle und Ängste sind erschlagend.

Die Pizza, die mich liebte
Die Pizza, die mich liebte

Selbst wenn ich von morgens bis nachmittags gesund gegessen habe, sobald mir jemand Abends Nudeln oder Brot auftischt, rede ich mir ein, dass dann eh alles verloren ist. Mein „kluges“ Hirn sagt dann: „Iss die Nudeln, es ist eh zu spät, du bist jetzt fett. Iss am Besten noch eine Torte hinterher, damit es sich richtig lohnt… und ab MORGEN sieht die Welt dann anders aus, dann legst du konsequent los.“

Nur wenn der Morgen darauf dann hektisch ist und mit einem Schokoladencroissant beginnt, ist ja schon wieder ein Tag quasi verloren und dann kann man auch gleich ein allerletztes mal in seinem traurigen Leben Pommes essen und ne Pizza und auch Eiscreme… aber bitte mit Sahne.

Letztendlich habe ich ein so gestörtes Verhältnis zum Essen aufgebaut, dass ich entweder super diszipliniert esse oder mich richtig vollstopfe und mir einrede, dass es auf jeden Fall das letzte mal ist. Ich glaube mir. Wirklich.

Die Henkersmahlzeit
Die Henkersmahlzeit

Die letzten 2 Wochen habe ich mich also einem mutigen Experiment unterzogen. Ich habe versucht keine Essanfälle zu forcieren, sondern einfach mal so zu essen, wie es ein „normaler Mensch“ tut.

Ich habe gefrühstückt, zwischendurch Süßigkeiten gegessen und Abends einfach gegessen was anstand und bequem war. Zu jeder Uhrzeit des Tages habe ich einfach gegessen wonach mir war, ob nun Nudeln, Steak oder Fruchtgummi-Hasen.

Nach meinen eigenen Befürchtungen hätte ich jetzt 10 Kilo zunehmen müssen, mindestens. Denn ich sage sonst immer ganz dramatisch: „Oh mein Gott, ich muss Nudeln nur anschauen und nehme zu!“

Was ich diesmal vermieden habe war, vor lauter Frust und Resignation zu übertreiben. Sondern es mir einfach alles durchgehen zu lassen und dadurch nicht zu eskalieren. Zusätzlich habe ich mich in dem Zeitraum nicht zwischendurch gewogen. Denn es sind oft die Schwankungen auf de Waage, die meine innere Schlankheits-Drama-Queen heraus kitzeln. („OH MEIN GOTT, ES IST ALLES VERLOREN. ICH WERDE FETT STERBEN!!“)

Immer rein in die Figur...
Immer rein in die Figur…

Was ist passiert nach 2 Wochen „normal essen“? Ich habe kein Gramm zu- und kein Gramm abgenommen. Keine Veränderung auf der Waage. Einfach weg gesteckt.

Es ist eine gängige Therapie für Menschen mit Essanfällen, dass sie mal einen Zeitraum wirklich essen worauf sie Lust haben. Bedingung ist aber, dass man dann aufhört, wenn man satt ist und das man sich wirklich auf seine Gelüste verlässt. Und wenn es dazu gehört sich mal Kuchenteig anzurühren und genüsslich zu essen, weil man sich das sonst nur als Essanfall gegönnt hat.

Es kann unglaublich entlastend sein, sich seiner Angst wach und ohne Wahn zu stellen und einfach mal zu schauen was der Worst Case ist. Nur sollte man danach ein paar Tage mit dem Wiegen warten, damit der Körper die Schwankungen realistisch verkraftet.

Es ist ernst.
Es ist ernst.
Die Henkersmahlzeit
Die Henkersmahlzeit

Wir müssen diese unrealistischen Ängste vor Essen endlich ablegen.

Ich habe jedenfalls aus den letzten zwei Wochen gelernt, dass ich mich nicht so schnell entmutigen lassen sollte. Völlig zu eskalieren ist in jedem Fall schlimmer, als einem Gelüst nachzugehen und rechtzeitig aufzuhören. So streng ist unser Körper dann doch nicht. Wir sind unser eigener Tyrann.

Wenn ihr Lust habt, erzählt mir von eurer unfassbaren Unlogik! 🙂

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9 Comments

  • Hallo Nina,

    ich probiere im Moment genau das gleiche. Habe das Buch „intuitiv abnhemen“ gelesen und bin seit Montag dabei auf meinen Körper zu hören. Essen worauf man gerade Lust hat, aber nur wenn man tatsächlichen echten Hunger hat und auch nur bis der Hunger gestillt ist.

    Habe mich nach dem Sündigen immer schuldig gefühlt und in dem Buch fragt dich der Autor: Warum? Hast du das Essen oder Essensgeld geklaut? Essen ist doch kein Verbrechen…

    Es tut so weh im Kopf, das mit sich selbst zu vereinbaren, wenn man seit der Jugend immer auf Diät war! Ich glaube ich weiß mehr über Ernährung als ein Ernährungsberater im Fitnessstudio und dieses „intuitive Esssen“ widerspricht jeder Regel die ich mir je gestezt habe.

    Wie du schon sagst: Nudeln? Ofenkäse mit Baguette? Ein Eis? und das abends? Es ist so schwer sich das zu „erlauben“.

    Ich habe mich bisher auch noch nicht gewogen und werde das auch erstmal nicht tun. Vielleicht erreiche ich ja ohne es zu merken mein persönliches Idealgewicht 🙂 Bin gespannt!

    Freue mich schon auf deinen neuen Blogpost.

  • DAS Rezept gegen Essanfälle gibt es wohl nicht… Das mit dem „gezügelten Essverhalten“ hat sich auf Dauer eher als undurchführbar oder hoch aufwendig herausgestellt, die „flexible Verhaltenskontrolle“ ist eher ein theoretisches Konstrukt, beides Ansätze aus der Ernährungspsychologie des vergangenen Jahrhunderts.
    Was Du von den letzten zwei Wochen schreibst, klingt doch passabel; so könnte es bleiben, oder?
    Die eigene Küche ist ein Pluspunkt, wenn man sie nutzen kann. Ansonsten ist zu viel „Was darf ich?“ auch nicht „zielführend“. Gesund soll es aber dann doch sein, und schmecken. Das versuche ich zu vereinbaren, dabei sind öfters Hülsenfrüchte und Sauergemüse. Bei den „Ausreißern“ funkitioniert die Prävention noch etwas zu selten, da will ich weiter üben & Ursachenforschung betreiben 😉

  • Es kommt halt darauf an, was du isst. Es gibt leckere Sachen die nicht mit extremen Kalorien aufwarten. Wenn ich sehe wie du mit einem Löffel Nutella isst, dann naja, waas soll man dazu noch sagen. Du frisst dich ins Grab. Nutella ist Fett und Zucker mit etwas Kakao. Friss, pardon, iss einfach nicht solchen Dreck. Versuche mal weniger, die Hälfte vielleicht. Und lass den Dreck voller Zucker und Fett weg. Iss keinen Müll!

    • Was fällt dir eigentlich ein, einen anderen Menschen aufgrund deren Essverhalten zu verurteilen? Wenn sie Nutella mag, darf sie es essen und wenn nicht, dann soll sie es lassen. Der Körper braucht Fett und Zucker um zu leben. Was nicht benötigt wird, wird eingelagert. Jeder Mensch hat seine „Sünden“. Aber warum lassen es andere einen spüren? Ich bin mir sicher, Nina weiß selbst, wie viel Zucker Nutella hat, sonst hätte sie es nicht erwähnt.

      Die Methode, auf den Körper zu hören, was und wie viel gegessen werden soll, hat mir sehr geholfen, als ich meine Essstörungen bekämpft habe.

      Liebe Grüße
      Maureen

    • Lieber Uwe,
      ich glaube dieser Frau musst du so etwas nicht erklären. Vermutlich kennt sie sich besser mit Lebensmitteln aus als du selbst. Du hast einfach nicht verstanden worum es hier geht. Also kannst du dir solche Ratschläge wie: Iss weniger von dem Dreck wirklich sparen.

  • Auch ich kenne solches Essverhalten sehr gut. Am schwierigsten finde ich den einfachsten Teil: nämlich nur das zu essen, worauf man WIRKLICH Hunger/Appetit hat. Läßt man sich darauf ein, dann fällt einem auf, dass man auf manch Süßes oder fettiges garnicht wirklich Hunger hat sondern es aus Gewohnheit isst. Bei mir ist das z.B. die Kombination von Kaffee und Keksen.
    Ich finde es sehr mutig von Dir, wie offen Du über deine Essgewohnheiten sprichst. Damit machst Du vielen Betroffenen Mut und gibst tolle Unterstützung. Danke dafür!

  • Ich habe kein Übergewicht aber habe extreme Schwankungen von einem BMI von 20-21 (damit fühle ich mich wohl) so bis einem BMI von 24-25 -(das sind bei mir rund 10- 14 Kilo Schwankungen) Ich leide zum Glück nicht an Fressanfällen aber es fällt schwer mich konsequent gesund zu ernähren weil ich auch sehr wenig Gemüse mag(gab es früher bei uns auch fast nie) .Obst mag ich-ja , bin ich aber auch nicht so verrückt nach
    Jedenfalls hab ich immer gehungert, und das auch mit Erfolg teilweise.Ich habe so schon 10 Kilo abgenommen, innerhalb 2 Monaten. Allerdings dieses Jahr irgendwie nicht mehr so sehr wie früher, ich war immer 2 Wochen konsequent, dann konnte ich nicht mehr und habe innerhalb ein paar Tagen von den Kilos die ich abgenommen habe wieder fast alles drauf gelegt. Also 4 abgenommen, 3 zugenommen, wieder 3 abgenommen, 2 zugenommen. Erstens wars ne Quälerei und zweitens dauert die Abnahme so ewig .
    Jetzt mache ich seit 1 Monat Low carb aber ohne zu hungern. Also einfach gesund essen, Helles Fleisch,Fisch, Mandeln, Gemüse (das wenige was ich mag) und ich gönne mir auch immer mal Ausnahmen. Es fühlt sich besser an, gesünder irgendwie. Ich nehmen langsamer ab als wenn ich hungere und 400 Kalorien täglich zu mir nehme aber trotzdem habe ich Hoffnung mein Ziel zu erreichen
    Wieso machst Du deine Abnahme eigentlich nicht wieder genauso wie damals als du soviel abgenommen hattest ?

  • Oh, da steht ja alles im Artikel. Sogar der Kuchenteig. Ich danke dir. Und ich komme mir gleich nicht mehr so dämlich vor. Ich bin auch „am Abnehmen“. 25kg geschafft. Tolle Veränderungen gemerkt (Mobilität, weniger Schmerzen, Herzmedis nicht mehr nötig…) und dann irgendwie stecken geblieben. Gefühlt 10 mal dasselbe kg abgenommen und nun nur noch 20kg Gesamtabnahme. Dabei freue ich mich so darauf noch besser gehen und Treppen steigen zu können etc. ! Ich hab auch versucht die unschöne Entwicklung vor mir selbst (und anderen) geheim zu halten oder höchstens anzudeuten. Das bringt ja aber nix. Ich meine, alle meine Leute haben ja jahrelang gesehen wie ich dick geworden bin, für die ist das nichts neues. Sie werden es schon verkraften. 😉 Ich selbst muss da wohl den Tatsachen ins Auge schauen. Und diese Unlogik, die du beschreibst kenne ich. Mal „drüberschlagen“ ohne rauszukommen, das muss ich noch lernen.

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