Der König der Löwen (2019) – Review – Rezension

Bildergebnis für lion king red sky compare

Es gibt Bilder, die man automatisch mit dem passenden Klang verbindet, wie einen roten Sonnenaufgang, der direkt….

„MAAAAAHZAWEEENJAAAAAWAWAWIZIWAWOOOOO“

(so habe ich das mit 9 Jahren auf jeden Fall verstanden) in unseren Ohren läuten lässt.

(Oder wie es vermeintlich in Zhulu wirklich geschrieben wird:
Nants ingonyama bagithi baba [Hier kommt ein Löwe, Vater]
Sithi uhm ingonyama [Oh ja, es ist ein Löwe])

Und zur großen Erleichterung fängt auch die 2019er Version von Der König der Löwen exakt so an und ist dabei so in seiner Anfangs-Sequenz so liebevoll nah am Original gehalten, dass ein breites Lächeln und Gänsehaut mich erstmal zufrieden in den Kinosessel zurücksinken ließen.

Die Animationen sind warm und rauben einem mit ihren Details regelrecht den Atem. Insbesondere zu Beginn kann man sich kaum an den verschieden Tierarten und ihren Details satt sehen. Man kommt aus dem Staunen wirklich nicht heraus.

Und dann ist da natürlich „Baby Simba“. Wer bei dem Anblick dieses Babykätzchens nicht zumindest einmal aufseufzt, ertränkt (vermutlich) auch kleine Kätzchen im Rhein.

Bildergebnis für lion king red sky compare

Ich war zugegeben bei der 90er Version niemals sooo angetan von Simba und seiner Niedlichkeit. 25 Jahre später kriege ich mich fast nicht mehr ein, beim Anblick der putzigen Mimik… (Das Niesen!!!)
Freunde von Tierkindern bekommen bei der animierten Version eine Extra-Portion „Awww“-Garantie, und es bleibt nicht nur bei den Löwen. Ich will euch nicht zu viel vorweg nehmen. 

😉

Liebhaber des Originals haben sicher mindestens einmal über die Tier-Pyramiden bei „Ich will jetzt gleich König sein“ nachgegrübelt. Die Szene ist weder bunt noch albern, dafür aber sehr kreativ, lebendig und liebevoll umgesetzt. Die Quirligkeit der vielen tanzenden Tiere und Farben wird geschickt durch eine sehr lebendige Wasserloch-Szene ersetzt, die in ihrem Charme und ihrer Dynamik dem Original in nichts, außer grellen Farben, nachsteht. Für mich ein absolutes Highlight.

Ebenfalls farblos ist allerdings auch der Elefanten-Friedhof, der in den 90ern für einen kleinen Atem-Stillstand sorgte, so aufregend und mysteriös wirkte das Szenario. Dem Realismus geschuldet, sieht das Ganze etwas langweiliger aus. Schmunzeln musste ich über die passenden Sound-Effekte, die mich in dem Moment SEHR an die Serie DARK erinnerten, was jedoch durchaus passend ist.

Dafür ist der Auftritt der Hyänen umso einschüchternder. Statt einem idiotischen sabbernden Ed, bekommen wir 2019 einen ausgereifteren Sidekick zu sehen.
Ich persönlich finde es eine sinnvolle Änderung, ihn dümmlich statt klischeehaft geisteskrank darzustellen. Lasst euch überraschend.

Der Charakter der weiblichen Hyäne Shenzi ist getreu den neuen Disney-Maßstäben etwas selbstbewusster und eigenständiger ausgebaut.

Auch die Rolle von Nala, in ihrer älteren Version gesprochen von Beyonce, wird ohne dass es zu aufdringlich ist, etwas stärker heraus gehoben. Ihr selbstbewusstes Wesen und ihr starker Charakter wurden mit einer zusätzlichen Szene, die sich gelungen einfügt, besonders schön herausgearbeitet.

Bildergebnis für nala beyonce

Ich habe zwar in einer ihrer mutigen Ansprachen kurzzeitig gehofft, dass eine kurze „ALL THE SINGLE LIONS“-Nummer zwischengeschoben wird. Aber ich bin jetzt ganz dankbar, dass nicht wie bei Aladdin zwanghaft noch eine Frauen-Schmonzette zwischengeschoben wurde. Stattdessen gibt es eine wirklich spannende Szene, die geschickt an der Stelle überleitet, an der im Original etwas Hintergrund fehlt. Shenzi und Nala sind meiner Meinung nach sehr sinnvoll und gut herausgearbeitet worden.

Eine große Enttäuschung für mich war eines meiner Lieblingslieder: „Seid bereit“. Das kommt leider sehr dünn und undramatisch daher, wäre aber auch in seiner super-groovigen Originalform zu märchenhaft und unpassend in diesem realistischen Szenario aufgestoßen. (Ich mag die deutsche Stimme von Scar ja tatsächlich noch etwas lieber als das Original.. 

;))

Apropos Scar… Ich war ja schon von Dschafar in Aladdin sehr enttäuscht. Scar ist ein mindestens genauso starker und cooler Bösewicht und sieht für mich in der neuen Version leider einfach so aus, als wäre die Puppe zu lange gelagert worden. Er wirkt eher wie ein trauriges abgeranztes Stofftier, als wie ein geleckter „böser Onkel“. Aber es ist vermutlich auch nicht einfach umzusetzen, wenn man möglichst bei authentischen Tier-Animationen bleiben möchte.

Bildergebnis für scar lion king

Während die jungen Simba-Jahre wirklich entzückend sind, ist bei den älteren Löwen die Mimik teilweise etwas schwer zu deuten. Es wirkt stellenweise ein wenig starr und unemotional. Es gibt jedoch immer wieder sehr warme und rührende Momente, die einen erneut emotional abholen.

Timon und Pumbaa: Einfach fabelhaft. Wundervoll umgesetzt. Hakuna Matata. Statt Hula-Röckchen gibt es eine fast noch bessere Überraschung, besonders für Disney-Fans.

Insgesamt hält sich der Film, ähnlich wie Aladdin, sehr nah am Original. Es wurden nicht viele Sachen verändert und keine aufdringlichen Musikstücke hineingepresst.

Schade fand ich dennoch, dass die Credits nicht mit einem der Klassiker enden, sondern komplett von neuen Stücken durchzogen sind. Ich hätte gerne noch einmal eine Studio-Version von „Can you feel the love tonight“ oder „Hakuna Matata“ gehört. Stattdessen gibt es relativ unspektakuläre neue Lieder, die zwar gut zum Film passen, aber mir nicht diesen letzten emotionalen Ruck verpasst haben, mit dem ich gerne aus dem Kino gegangen wäre.

Ist denn wirklich von jedem Film eine Real-Version nötig? Ich sehe es so: Damit unsere Kinder und Enkel noch in den Genuss mancher Klassiker kommen können, müssen manche Filme von Zeit zu Zeit aktualisiert werden, um noch im Interesse stehen zu können. Ich finde Zeichentrick wunderschön, aber die letzten rein gezeichneten Filme haben weitaus weniger Anklang gefunden.

Es gibt Disney außerdem die Chance, nach 20 oder 30 Jahren Fehler auszubügeln, wie einen „geisteskranken“ Ed oder eine aus heutiger Sicht vielleicht etwas bizarre Krabbenszene in Arielle. „Und ich füll‘ dich mit Brot! Du spürst nichts! Du bist tot!“, kommt heute vielleicht nicht mehr ganz so passend rüber.

Ich weiß, dass wir alle damit aufgewachsen sind und uns das alles nicht geschadet hat, aber ich kann diese Änderungen durchaus verstehen und halte sie für notwendig, um diese Lieder und Charaktere weiterhin unsterblich von Generation zu Generation zu reichen.

Ich persönlich gucke zum Beispiel „Die Schöne und das Biest“ je nach Laune in beiden Versionen gerne. So auch Cinderella oder Aladdin. Es ist kein Ersatz. Es ist eine andere Option, für eine andere Generation und für andere Stimmungen.

„König der Löwen“ kann immer noch in seiner 90er Version geschaut und geliebt werden. Wenn es jemandem jedoch nach mehr Realismus steht, ist die neue Version eine toll gemachte und schöne Option, die „neu und scheinend“ wie sie ist neugierig auf diese Geschichte macht, mit der viele von uns groß geworden sind.

Bildergebnis für lion king cute

Ich muss jedoch zugeben, dass mich Aladdin mehr mitgerissen und in Staunen versetzt hat. Die anfängliche Begeisterung über die Effekte nimmt ähnlich schnell ab, wie in einem 3-D-Film. Der Effekt wird jedoch mit jedem Szenario-Wechsel aufgefrischt. Ich sage nur: Jungle.

Insgesamt muss ich unerwartet gestehen , dass mich das Original in den emotionalen Szenen deutlich mehr bewegt. Teilweise ließen mich klassische Taschentuch-Szenen etwas etwas unberührter.

Ich bin mir sicher, dass ihr den Kino-Besuch nicht bereuen werdet und ihr könnt euch ja vorstellen, dass eine solche Bildgewalt auf einer Kino-Leinwand noch einmal besser zur Geltung kommt.

Lasst mich natürlich unbedingt wieder wissen, wie es euch gefallen hat. Ich freue mich jedes mal wahnsinnig, wenn ihr, auch nach Wochen, nochmal „zurück kommt“ und mir erzählt, wie ihr euch gefühlt habt. Danke dafür.

Hinweis zur Altersfreigabe: Bis auf die Gewalt zwischen den Tieren, die einer Tier-Doku ähnelt, wenn auch ohne Blut, ist der Film eher weniger düster als die Zeichentrick-Variante. Das Original hat mehr von einem Märchen mit seinen Farben und Tier-Pyramiden und einem sehr gruseligen Elefanten-Friedhof, während der neue Film durchaus eine erwachsenere Optik fährt.
Es kommt hier sehr auf die persönliche Schwelle des Kindes an, was einen Schwall aggressiver Hyänen angeht.

SPOILER:

Was mich wahnsinnig gemacht hat, war nur der Moment in dem der Blitz so völlig passend einschlägt und der Felsen brennt. Das wirkte absolut bizarr. Ging es noch jemandem so?

Die Rezension bezieht sich auf die englische Version.

Vielen Dank an FRANDLY PR und Disney für die Möglichkeit den Film vorab zu schauen. Ab dem 17. Juli 2019 ist der Film in den Kinos zu sehen.

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