Aladdin (2019) – Review – Rezension

Wenn ich als Kind morgens die Augen geöffnet habe, schaute ich als erstes auf den Palast von Agrabah. Magie, Charisma, eventuell auch Bestechungsgeld hatte ich zu verdanken, dass unser Dorf-Kino das Disney-Werbe-Mobile aus Hartpappe meiner Mutter mitgegeben wurde. Mein größter Stolz. 

Der Palast von Agrabah

Bei meiner ersten Klassenfahrt war meine Zahnbürste in einer Prinzessin-Jasmin-Schutzhülle. Generell fand ich es ziemlich cool, das diese Prinzessin Hose und „türkis“ trug. In diesem Alter konnte ich absolut nichts mit „Pink“ anfangen. Und ihr wundert euch, wieso ich einen Merchandise-Fimmel habe? 

Aber zurück zum Thema: Ich hab befürchtet Aladdin wird ganz, ganz, ganz furchtbar. Die Szenen wirkten in den sozialen Netzwerken wie aus einer schlechten Bollywood-Soap-Opera und irgendwie hatte ich nicht zuletzt, seit dem Aladdin-Musical in Hamburg tierische Angst vor realen Umsetzungen geliebter Filme.

Vorab: Ich versuche möglichst wenig vorwegzunehmen in meinen Beschreibungen. Ich habe die englische Fassung gesehen.

Umso erstaunter war ich, wie nah sich der „neue Aladdin“ an die Vorlage hält. Es gibt einige Beschleunigungen, die der Grundgeschichte jedoch ganz gut tun. Es gab jedoch kaum Änderungen, die mich wirklich gestört haben. 

Was mich im Musical besonders gestört hat war der Verzicht auf Abu, Rajah, Teppich und Jago. Insbesondere „Perser“ bringt durch die ohnehin nicht vorhandene Mimik, besonders viel des klassischen Zeichentrick-Charmes in den Film. Abu sieht zwar ein wenig gruselig aus, füllt die Rolle jedoch gut. Jago ist amüsant, spricht aber eher auf einem realistischen Level. Kein Ersatz für das Original, aber ich hab befürchtet, dass er gar nicht sprechen könnte. 

Die Chemie zwischen den Hauptcharakteren ist bezaubernd. Einzig Jafar bußt einiges an Imposanz ein, die dieser eigentlich so düstere und „große“ Charakter einnimmt. Und zugegeben hätte ich mir einen dickeren Sultan gewünscht. Ich liebe den dicken Sultan… 

Rajah ist Rajah. Perfekt umgesetzt. Im Musical wurden statt der Tiere eine Gang Aladdin-Buddies und ein Hofdamen-Schwarm ergänzt. Ich war sehr erleichtert, das diese unnötigen Charaktere weg gelassen wurden und nicht auch noch zusätzliche Lieder dazu gekommen sind. Jasmin hat zwar eine Hofdame, die dem ein oder anderem etwas albern vorkommen könnte, aber ich hab herzlich lachen können. Ich habe jedoch die englische Fassung gesehen und kann mir vorstellen, das es im Deutschen anders rüberkommen könnte. Ich bin gespannt was ihr dazu sagt. Ich fand Nasim Pedrad von SNL schon bei „New Girl“ extrem bezaubernd und liebenswert.

Den Songs wird so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie sie es verdient haben. Insbesondere die Szene, die jeden an das klassische Super-Nintendo-Spiel erinnert, in der Aladdin sich durch die orientalischen Gassen schlängelt, hat mir kurzum ein breites Grinsen auf das Gesicht gezaubert. 

Sowohl Jasmin, als auch Jafar bekommen etwas mehr Background und Eigenheiten. Was besonders der Frauenrolle gut tut, die insofern ausgeweitet wurde, dass sich in ihrem Zimmer Landkarten und Bücher stapeln. Also eine kleine Schippe Belle-Grips. 😉 Lasst euch überraschen.

Aber was ist mit dem blauen Willy? Kurz bevor ich in der Pressevorführung war, habe ich mir nochmal den 90er Aladdin auf Englisch angeschaut und darüber gegrübelt,. wer denn eine Alternative zu Robin Williams gewesen wäre. Das ist schlichtweg nicht zu beantworten und als ich mir die Szenen in Englisch angesehen hatte, fiel mir auf das Will Smith eigentlich eine recht kluge Wahl ist. 

Insbesondere meine Generation, die mit dem „Fresh Prince von Bel Air“ aufgewachsen ist und diesen noch so im Herzen trägt, wird Smiths eigene Interpretation gefallen. 

Die Bilder sahen im Kino ganz anders aus, als in sozialen Netzwerken. Der Film wirkte an keiner Stelle billig. Ich weiß nicht woran das lag. Es ist mir ein Rätsel. Sounds, Musik und Stimmung machen Aladdin eh zu einem Film, bei dem sich ein Kino-Besuch definitiv lohnt.

Da ich das Glück hatte in arabischer Begleitung zu sein, kann ich bestätigen, dass sich viele Details im Film sehr gut recherchiert in das Setting einfügen. Man hat sich hier wirklich Gedanken gemacht den Film kulturell zu ergänzen. Unterm Strich bleibt es eine orientalische Fantasie a la 1001 Nacht. Nicht weniger Klischee und Kitsch, als wenn man sich Europa im Mittelalter ausmalt. Ich fand es passend und meine Begleitung hat sich ebenfalls nicht gestört.

Häufig habe ich gelesen, dass Jasmins Kostüm zu wenig am Original ist. Warum sollte aber eine derart reiche Prinzessin immer das gleiche Outfit in so einem farbenfrohen Szenario tragen? Wie ich bei „Die Schöne und das Biest’ ist das Kostüm angelehnt und realistischer angepasst. Belle hat nur bereits im Film schon zahlreiche Kleiderwechsel gehabt, während Jasmin fast durchgehend das gleiche bauchfreie Outfit trägt, was real auch viel zu offenherzig wirken würde.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist die Dynamik des Hauptcharakters. Man bekommt sofort Lust „Prince of Persia“ zu spielen. Der Film ist sehr bunt, dynamisch und warm. 

Ich kann euch nur sagen, dass ich ebenfalls skeptisch war und ihr dem Film eine Chance geben solltet. Auch wenn es den ein oder anderen tierisch nervt, dass Disney alles als Real-Film umsetzt. Der Film ist eine Hommage und gilt eher als Verlängerung der Vorlage. Es spricht nichts dagegen beide Filme zu mögen oder zu schauen. 

Die Real-Verfilmung transportiert die Seele und den Zauber des 90er-Klassikers in ein zeitgemäßes Gewand. Lasst mich unbedingt wissen, wie es euch gefallen hat.

Meine Aladdin-Leggings von Black Milk

Vielen Dank an Frandly PR und Disney für die Möglichkeit den Film vorab zu sehen.

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